Wir führten ein Interview mit der Second Generation Wrestlerin Bozilla. Dabei sprach die Tochter von Ulf Herman mit uns über ihre Anfänge, über ihre ersten Bookings, ihre großen Ziele, ihre Zielstrebigkeit und noch einiges mehr.

Nachfolgend das Interview:
Power Wrestling: Hallo Bozilla, erst einmal bedanke ich mich bei dir, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast, und dann legen wir auch direkt los. Fangen wir mal mit meiner Standard-Frage an, wie kam es dazu, dass du Wrestlerin werden wolltest?
Bozilla: Es stand nie fest und war auch nicht auf meiner Agenda! Bis mein Vater mich einmal zum Training ins Headlock Headquarter mitgenommen hat und ich dort schnell gemerkt habe das Wrestling etwas für mich sein könnte. Ich betreibe seit mehreren Jahren Kraftsport und habe diverse Kampfsport Arten wie Judo, Kickboxen, Karate und Muay Thai zuvor gemacht. Daher fand ich es sehr spannend diese Sachen zu kombinieren und ich hatte Blut geleckt.
PW: Wann stand es für dich fest, dass du in den Fußstapfen deines berühmten Vaters Ulf Herman treten wolltest?
Bozilla: Das war in etwa nach einem Monat Wrestling-Training, weil ich für mich gemerkt hatte, dass die ganzen Facetten des Wrestling genau das sind was ich machen möchte. Mein Vater hat sehr viel erreicht im und durch den Sport und ist außerhalb der Wrestling Szene auch sehr bekannt, da ist es natürlich toll wenn man seinem Vater nacheifern kann.
PW: Wer hat dich bislang trainiert und wie lange hat es gedauert, bis du dein erstes Match bestritten hast?
Bozilla: Ich trainiere im Headlock Headquarter in Hannover und dort besonders unter Martin Nolte, meinem Vater, und auch noch Leon van Gasteren. Dann haben wir auch Gasttrainer wie Joe E Legend, Doug Williams und weitere. Es hat etwa ein Jahr gedauert bis ich mein erstes Match hatte. Natürlich ist man nach einem Jahr alles andere als perfekt, aber, das hat mir Fit Finlay gesagt, man lernt jedes Mal etwas dazu wenn man in den Ring steigt! Man kann alles mögliche an Techniken im Training lernen aber im Ring und vor Publikum ist alles ganz anders.

PW: Da wurdest du aber bereits von großen Namen trainiert. Kommen wir zur nächsten Frage. Bei einem cOw Event im Juni 2023 konnte ich mit deinem Vater Ulf ein wenig plaudern. Er sagte mir unter anderem, dass es für dich vorgesehen wäre, dass du demnächst in den USA trainieren würdest. Hat sich da schon etwas getan?
Bozilla: Das ist wahr und ich war bereits gegen Ende des letzten Jahres in den USA um dort eine Wrestling Schule besuchen. Wir hatten uns einige bereits angesehen und es gibt da eine engere Auswahl. Des Weiteren stehen wir mit alten Kollegen meines Vaters in Verbindung zwecks Auftritten in den USA und es gibt schon mehrere Angebote dieses zutun. Es ist natürlich auch schön das ich durch die Kontakte meines Vaters gute Möglichkeiten habe aber das Ziel ist mir einen eigenen Namen zumachen.
PW: Das hört sich doch interessant an mit den USA. Ich wünsche dir auf jeden Fall dort ein gutes Gelingen. Und nun mal weiter. Du trittst auch mit deinem Vater in Mixed Tag Team Matches auf, und zusammen konntet ihr auch bereits die ACW Tag Team Titel gewinnen. Du bist auch schon in Singles Matches gegen Männer angetreten. Wie findest du Intergender Matches?
Bozilla: Ja ich bin mit meinen Vater bei der POW, cOw und der ACW aufgetreten und das hat echt Spaß gemacht! Intergender Matches hatte ich auch bereits, weil es echt schwierig ist weibliche Gegner zu finden die gegen mich kämpfen wollen. Hat vielleicht aber auch damit zutun das ich nicht die Püppy bin sondern mehr ein Powerhouse. Das ist was mich unterscheidet von anderen Wrestlerinnen in Europa. Ich bin täglich dabei meinen Körper zu formen und verbringe sehr viel Zeit im Gym. Das tat ich aber schon bevor ich mit Wrestling angefangen habe. Also ist es für mich einfach gegen Männer zu kämpfen! Es ist kein Problem für mich.
PW: Ja, bei deinem Anblick dachte ich mir auch schon, dass die Männer eher Angst vor dir haben, als du vor ihnen (lacht). Hast du dir deshalb den Ringnamen Bozilla ausgesucht?
Bozilla: Der Name Bozilla ist einfach zu erklären. Mein richtiger Name ist ja Bo und weil ich durch meine etwas größere Erscheinung heraussteche haben wir daraus Bozilla gemacht.
PW: So hatte ich mir das schon gedacht. Wer macht für dich eigentlich die Bookings? Macht das dein Vater für dich, oder regelst du das von alleine?
Bozilla: Booking-Anfragen macht mein Vater. Wobei ich sagen muss, dass ich angeschrieben werde, und er verhandelt dann die Konditionen. Das ist so weil er keinen Bock auf Social Media hat und daher landet es erst bei mir dann bei ihm.
PW: Hast du dir frühere Matches deines Vaters im TV nachträglich angeschaut, als er unter anderem in der originalen ECW in den USA aktiv war?
Bozilla: Natürlich habe ich das und besonders die alten ECW Matches sowie alte CWA Matches. Genauso wie die 1PW Matches mit Abyss oder Iceman. Besonders die Nummer mit Abyss und dem Tisch der brannte und Reißzwecken im Spiel waren, dies war echt krass. Plus alle Matches gegen Fit Finlay! Alte FWA Matches aus England sind sehr zu empfehlen. Es sind verschiedene Stile und über die Jahre hat sich das alles so entwickelt wie es bei ihm heute ist. Aber natürlich ist er auch älter geworden und kann nicht so arbeiten wie damals, doch versprüht er eine Präsenz im Ring die bei vielen Wrestlern heute nicht vorhanden ist. Viele wissen zum Beispiel nicht das er viele Sachen gemacht hat die ein Heavyweight damals nicht machte. Was er mir auch beigebracht hat, ist das man sein Ego zuhause lassen sollte, weil wir ja schließlich Entertainment machen und nicht bei den Olympischen Spielen sind. Das ist etwas was heutzutage immer wieder vergessen wird! Wir sollen das Publikum unterhalten und daran denken welchen Titel man hat. Hat man einen dann muss man halt auch mehr und härter arbeiten weil man ja das Aushängeschild der Liga ist. Zum Stil zurück ist es das ich natürlich als Powerhouse andere Sachen mache als Lightheavyweights. Wichtig ist, glaube ich, dass man auf alle Fälle wieder dazu zurückkehren sollte ohne den neuen Style (Highflying, Hardcore etc.) zu vergessen. Es sollte wieder glaubhafter sein, denn was ist ein Kampf? Zwei oder mehrere die sich auf die Lichter hauen.

PW: Du bist auch bereits für Jazzy Gaberts Liga SIRIUS angetreten. Hast du dir von Jazzy Backstage ein paar Tipps eingeholt?
Bozilla: Natürlich ist es toll wenn man Tipps von Leuten wie Jazzy bekommt, da sie sehr viel erreicht hat in dem Business und ich bin dankbar für jeden Tipp um mich weiter zu entwickeln. Deswegen höre ich mir auch gern die Geschichten der älteren Wrestler an – sprich von Fit Finlay, Michael Kovac, Joe E Legend, D’Lo Brown und meinem Vater sowie von den jungen neuen Helden wie Will Ospreay, den wir bei der 1PW getroffen haben. Das hilft immer und man kann sehr viel davon lernen.
PW: Wie findest du die Deutsche Wrestling-Szene? Du bist ja bereits für mehrere Ligen wie POW, ACW, IWI, FIGHTBACK Wrestling, SIRIUS etc. angetreten.
Bozilla: Die deutsche Szene ist im Moment sehr stark und ich freue mich natürlich über jedes Booking was reinkommt. Die POW ist die Liga wo ich begonnen habe und die mich auf die Reise geschickt hat. Die ACW ist sehr mit meinem Vater verknüpft und alles ist dort sehr familiär. Dort waren wir Tag Champs und werden jetzt mal sehen was als Nächstes passiert. SIRIUS ist Jazzys Baby und ich wünsche ihr alles gute und viel Erfolg. Sie hat mich zum Champion gekrönt, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Die Women’s Show von Jazzy in Berlin war auch echt Mega. Die cOw ist auch mega, weil dort sehr viele Kollegen sind die man woanders auch immer sieht. Bei der 1PW in England ist das Aufgebot echt stark und dort setzt man auf mich als Enforcer für Lizzy Evo, damit ich auch das Gefühl für ein größeres Publikum bekomme. Dazu muss ich sagen das es nicht selbstverständlich ist das man als Frau von den Männlichen Kollegen so einfach akzeptiert wird, sondern das muss man sich verdienen. Ich glaube das ist mir in der kurzen Zeit ganz gut gelungen. Daher von mir auch mal an alle männlichen Kollegen ein echtes Danke dafür.
PW: Kommen wir nun zur letzten Frage. Was sind deine Zukunftspläne in Sachen Wrestling?
Bozilla: Zukunftspläne! Ich bin sehr anspruchsvoll und versuche in diesem Business Fuß zu fassen. Das heißt ich bin sehr zielstrebig in allem was ich mache und das Ziel steht in den Sternen. Es bewegt sich gerade sehr viel in der Szene national wie international und die Zeit wird zeigen wohin der Weg geht! USA? Japan? Mexiko? Wer weiß das schon, aber ich bin zuversichtlich das ich aufgrund meiner Erscheinung einiges reißen kann und mit Beratern wie meinem Vater und anderen aus dem Business habe ich echt ein gutes Team um mich herum. Japan ist momentan ganz oben auf meiner Liste weil ich dort erstmal extrem viel lernen kann und auch extrem viel Aufmerksamkeit bekommen kann. Wir werden sehen wohin die Reise geht. Wichtig ist das man Bock hat und an sich selbst glaubt aber nicht an Selbstüberschätzung zerschellt. Wie ein alter Freund meines Vater (Drew McDonald) immer sagte: „WALK SLOW AND THING BIG“
PW: Dann bedanke ich mich noch einmal bei dir, und wünsche dir alles Gute.
Das Interview führte Martin Mahony
Das Interview erschien in der Januar 2024 Ausgabe des Power Wrestling Magazins
Fotos: Social Media Account von Bozilla





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